Wenn man mit einem Jäger über das Thema Wildschweine spricht, kommt unweigerlich irgendwann das Thema „Mast“ zur Sprache.
In Mitteleuropa wurden bis ins 19. Jahrhundert Hausschweine in die Wälder getrieben, damit sie sich dort satt fraßen. Das Wort Mast bedeutete die als Viehfutter dienenden Baumfrüchte. In Spanien wird diese Art der Schweinemast auch heute noch durchgeführt und liefert weltweit begehrte Delikatessen vom Eichelmastschwein. Im Allgemeinen wird mit dem Wort Mast heutzutage das Aufmästen von Stall-Nutzvieh überwiegend mit Silage bis zur Schlachtreife bezeichnet. Bullenmast, Schweinemast etc.

Im Bereich Wald, Jagd und Wild hat das Wort Mast eine weitere Bedeutung.

Für die Bäume ist die Mast eine Überlebensstrategie. In Nichtmastjahren vermehren sich Kleintiere, die von der Mast leben, wie Rötelmaus und Eichhörnchen nicht so stark. In einem folgenden Mastjahr produziert der Baum dann wesentlich mehr Samen, als Tiere verbrauchen können und es bleibt ausreichend Saatgut zum Auskeimen übrig. Mit bedingt durch die aktuell häufigen Mastjahre, leidet Mitteleuropa derzeit unter einer massiven Nagerplage. Ratten und Mäuse vermehren sich überproportional und auch das europäische Eichhörnchen kann man mittlerweile wieder häufiger beobachten.

Für Wildtiere gibt es die Obermast, die aus der Baummast und anderen oberirdischen Samen und Früchten besteht und die Untermast. Damit wird das Futter bezeichnet, was sich unter der Erdoberfläche befindet und aus Käfern, Larven, Würmern, Wurzeln usw. besteht.
Obermast bezieht sich auf Frucht tragende Bäume wie Eichen, Buchen, Kastanien und seltener auch auf Wildobstbäume. Diese tragen jedes Jahr Eicheln, Bucheckern, Kastanien und Obst, die nach dem Abreifen im Herbst herunterfallen. Das ist eine willkommene Ergänzung auf dem Speiseplan von vielen Wildtieren.

Wenn die Baumfrüchte allgemein besonders zahlreich sind, spricht der Fachmann von einem „Mastjahr“. In einem solchen Jahr kann sich das Wild zu einem großen Teil von den Baumfrüchten ernähren.

Man unterscheidet:

Vollmast: alle Bäume eines Bestandes fruchten stark
Halbmast: etwa die Hälfte der Bäume fruchtet
Sprengmast: nur einzelne Bäume fruchten
Fehlmast: kein Baum oder nur wenige Bäume fruchten

Mastjahre sind für die Wildschweinjagd problematisch, denn die Wildschweine kommen in diesen Jahren seltener aus dem Wald aufs Feld oder an die vom Jäger angelegte Kirrung. Und überwiegend nur dort können sie aus Gründen der Sicht und sicheren Identifizierung bejagt werden. Außerdem fördert die Mast den Fettanteil und damit eine frühere Geschlechtsreife beim weiblichen Schwarzwild und allgemein eine höhere Reproduktionsrate. Die Wildschweine bekommen also früher und mehr Frischlinge als üblich, diese wiederum können nur schwer bejagt werden, weil die Wildschweine vermehrt bei den Baumfrüchten im Wald bleiben.

Mast-KirrungFrüher waren die Mastjahre selten, man sprach davon, dass alle sieben bis zehn Jahre die Eiche Mast trägt. Mittlerweile hat sich dies geändert. Vermutlich bedingt durch die globale Erwärmung ist es den Bäumen möglich, fast jedes Jahr die kräftezehrende Mast zu tragen.
Das bedeutet, zusammen mit dem zunehmenden großflächigem Maisanbau, für die Jäger immer größere Schwierigkeiten bei der Bejagung von Schwarzwild. Gleichzeitig steigen bei expandierender Population die Schäden auf Grünland und auf bestellten Feldern teils dramatisch an.

Oft wird auch der an der Kirrung ausgebrachten Mais für die Zunahme der Schwarzwildpopulation verantwortlich gemacht. Hier ist ein Beispiel dafür, wie sich eingebrachten Mengen, Naturmast und Kirrung, zueinander verhalten. So stehen pro 100 ha Wald ca. 511 kg Kirrgut 145000 kg Naturmast entgegen, also 0,35 % (bei täglicher Kirrrung am Bsp. Rheinland-Pfalz)).

Jägern wird gern die Schuld dafür gegeben, dass das Schwarzwild sich so enorm vermehrt, aber dafür sind Umstände verantwortlich, die kein Jäger beeinflussen kann.

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